Atomoi Fachverein

ETH / UZH

Als ich mich vor 4 Jahren dazu entschieden hatte, mit einem Chemiestudium zu beginnen, stellte sich mir erst gar nicht die Frage, ob ich an die Uni Zürich oder an die ETH soll. Natürlich ging ich an die renommierte ETH! Schon bald aber erwies sich dieser Entscheid als grosser Fehler. Bereits in der ersten Studienwoche wurde ich überrumpelt mit dem Nablaoperator (worauf ich verärgert eine Anti-Nabla-Gruppe gründete), Jahn-Teller (ohne überhaupt zu ahnen, dass so was wie eine Ligandenfeldtheorie existiert) und wie bitte, ein eindimensionaler Potentialkasten? 
Direkt mit einer Einführung in Quantenmechanik zu beginnen ohne überhaupt eine Ahnung von Physik und Mathematik zu haben erschien mir von Anfang an gar nicht sinnvoll. Auch der Sinn und Zweck des totalen Differenzials, welches wir im 2. Semester in Thermodynamik behandelten, kam überhaupt nicht rüber, es schien mir eher wie ein Rumgewurstel mit Differenzialen. Dies hatte dann zur Folge, dass ich Donnerstags immer ausschlief. Auch OC war nur stupides Auswendiglernen von Standardreaktionen unter bestimmten Reaktionsbedingungen. Umso begeisterter war ich, als an der Uni Zürich, wo einem die grundlegenden Konzepte erklärt und hergeleitet und nicht einfach vorausgesetzt werden wie an der ETH, plötzlich alles Sinn machte. Mit erstaunlich wenig auswendig lernen konnte man nun extrem viel durch Verständnis herleiten, sei es Reaktionsmechanismen in der organischen Chemie oder die Maxwellbeziehungen aus der Thermodynamik. Die Atmosphäre an der Uni Zürich ist viel heimeliger und nicht so ein Konkurrenzkampf wie an der ETH und auch einige Professoren zeigen ein grösseres Interesse, den Studenten etwas beizubringen, indem sie in den Übungsstunden erscheinen und kräftig mitdiskutieren. Einer der wichtigsten Gründe, wieso man nicht an die ETH geht, ist aber auch der Fakt, dass man an der Uni Zürich wenigstens die Ferien ordentlich geniessen kann!

PM

Das Studium zu splitten war damals kein leichter Entscheid. Einerseits wusste ich, dass das Splitten mir gut tun würde und auch viele Vorteile mit sich bringen würde, andererseits hatte ich sehr viele Zweifel, vor allem wenn es um die Reaktionen meiner Kommilitonen ging. Ich hatte Angst, dass man mich als faul oder gar als Feigling bezeichnen würde, nur weil ich das Studium nicht an einem Stück machen würde. Aber auch ich selbst dachte von mir, dass ich ein bisschen feige wäre, wenn ich das Studium nicht in der „normalen“ Zeit von sechs Semestern absolvieren würde. Nichtsdestotrotz entschied ich mich im 4. Semester, das Bachelorstudium um ein oder gar zwei Semester zu verlängern. Was sich zu Beginn als schwieriger Entscheid herausstellte, entpuppte sich am Ende aber als die richtige Lösung. Es war nicht so, dass ich das Studium aufgrund ungenügenden Leistungen hätte verlängern müssen. Vielmehr wollte ich genügend Zeit, um den mir beigebrachten Stoff auch gut lernen zu können. Ausserdem wollte ich generell ein bisschen mehr Zeit für mich und nicht immer 24/7 mit dem Studium beschäftigt zu sein. Und last but not least, ich konnte meinen Stundenplan viel freier und vielfältiger planen, als man es sonst kann. So habe ich unter anderem die Möglichkeit gehabt, mich für ein Nebenfach zu entscheiden um das Chemiestudium noch ein bisschen farbiger zu machen.

Auch wenn das Chemiestudium zweifelsohne in den regulären sechs Semestern zu absolvieren ist, so kann das Verlängern des Bachelorstudiums zu einer enormen Entlastung führen. Und auch wenn man sich den einen oder anderen blöden Spruch anhören lassen muss, wen interessiert es letztendlich ob man das Bachelorstudium in sechs, sieben oder gar acht Semestern abgeschlossen hat? Das einzige was zählt ist die Tatsache, dass man am Studium Spass hat und man nicht die ganze Zeit mit Stress rumkämpft!

JT

Als mathematisch und physikalisch eher mittelmäßig begabte Person, hab ich mich entschieden im 5. Semester beide PC Module (III & V) zu machen um mir im 6. Semester dann PC IV & VI (die als relativ anforderungsreich gelten) zu sparen. Das 5. Semester wurde dadurch sehr voll und mittagspausenlos, aber im Nachhinein hat es sich definitiv gelohnt da durchzubeißen. Außerdem macht die Kombination von PC III & V inhaltlich Sinn und sie stellten sich beide tatsächlich noch interessant und lehrreich heraus.

SB

Das Chemiestudium ist mit Sicherheit sehr arbeits- und somit zeitintensiv. Neben den acht Laborkursen, welche während des Bachelorstudiums absolviert werden müssen,  sollen Übungen gelöst wie auch Zwischenprüfungen gemeistert werden. Eine gute Organisation und Zeitplanung spielen deshalb eine zentrale Rolle. Mir war es schon immer wichtig, mein Studium möglichst effizient zu gestalten und deshalb den Bachelor in sechs Semestern zu erreichen. Durch angeregte Diskussionen mit Lehrpersonen, Assistenten und Kommilitonen konnte ich den Unterrichtsstoff besser verarbeiten und verinnerlichen. Auch setzte ich stark auf Teamwork, was das Lösen von Übungen anging, sowie das Lernen auf Prüfungen – eine Taktik die aufging! Natürlich erlebt man auf dem Weg zum Bachelor of Science einige Durchhänger. Doch genau dann heisst es: Durchbeissen! Rückblickend bin ich sehr froh, dass ich mich immer wieder aufgerafft und weitergemacht habe und das Studium in den regulären drei Jahren durchzog. Mein Fazit: Chemiestudium – streng aber definitiv machbar!

Um das weitere Studium ebenfalls möglichst effizient zu gestalten mache ich direkt mit dem Masterstudium weiter und hoffe, mit der  Masterprüfung nach drei bis vier Semestern  abzuschliessen. Ich freue mich darauf, mir in dieser Zeit viel neues Wissen anzueignen, um dieses in einem spannenden Forschungsprojekt, der Masterarbeit, anwenden und festigen zu können.

JEI

Deutsch lernen

Am Anfang war für mich das Studium ein wenig anspruchsvoll, da ich nicht deutschsprachig aufgewachsen bin und mir deshalb das nötige Vokabular aneignen musste. In den höheren Semestern ist die Unterrichtssprache Englisch was mir zusätzlich entgegen kam.

Für mich war das Lernen in Gruppen eine tolle Erfahrung, die ich gerne weiterempfehlen möchte. Direkte Feedbacks und gegenseitige Unterstützung halfen mir mich stetig zu verbessern und mich schnell einzugewöhnen.

Chemie ist mit Sicherheit ein sehr anspruchsvolles und zeitintensives Studium. Ein starkes Interesse an dieser Wissenschaft sowie die Faszination für chemische Verbindungen und Vorgänge stellen für mich deshalb den absoluten Kernpunkt für diesen Bildungsweg dar.

TR

Das Restaurant ist ein bisschen versteckt aber ganz nah vom Campus gelegen. Es handelt sich bei gutem Wetter primär um einen Rentner- und Hündeler-Treffpunkt, auch das Wandgemälde ist eher abschreckend. Man findet immer ein Plätzchen und wird freundlich Willkommen geheissen.

Wenn die Prüfung nicht gut lief, die Berichte noch nicht geschrieben sind, man im in der Vorlesung überhaupt nichts verstanden hat, der Tag im Labor wieder viel zu lange dauerte und es immer noch nicht funktionierte, man das Studium abbrechen und auswandern will. Geht ins Neubühl, heult euch aus bei euren Kommilitonen (es geht doch allen gleich) und nach ein/zwei Bier kriegt man den Kopf wieder klarer und kann sich auf das Wesentliche konzentrieren, sich wieder aufraffen, steht das zusammen durch. Es ist ein Kraftort, ein Ort der Psychohygiene und es ist gut und wichtig so wie es ist.

CD